Liberal Arts & Sciences
3 Fragen an… Dr. Vojta Drápal
11. Dezember 2025

Foto: ILAS
Dr. Vojta Drápal ist seit Oktober 2025 wissenschaftlicher Mitarbeiter (Postdoc) am Institut für Liberal Arts & Sciences der Universität Hamburg im Arbeitsbereich von Prof. Dr. Sophie Witt, Professorin für Literaturwissenschaft.
1. Was sind Ihre Forschungsthemen und woran arbeiten Sie derzeit?
Ich beschäftige mich mit der Geschichte und Gegenwart politischer Denk- und Handlungsweisen. Wo sind bestimmte Konzepte und Praktiken historisch zum ersten Mal in Erscheinung getreten, was waren die Bedingungen ihres Auftauchens und durch welche Macht-, Herrschafts-, Gewaltverhältnisse sind diese bis heute geprägt? Dieser Fragenkatalog stützt sich auf die „Methode“ der Genealogie, die von Friedrich Nietzsche geprägt und durch Michel Foucault weiterentwickelt wurde.
In meinem vorherigen Forschungsprojekt habe ich mich aus dieser Perspektive mit der Geschichte und Gegenwart des modernen Fortschrittsdenkens beschäftigt. An dieses Projekt möchte ich nun anschließen, in dem ich den Gebrauch in den Blick nehme, den gegenwärtige autoritäre bis faschistische Bewegungen von diesem Denken machen.
2. Was fasziniert Sie an den Liberal Arts & Sciences und inwiefern bereichert Ihr Aufenthalt am ILAS Ihre Forschung?
Mein akademischer Werdegang und meine Forschungsperspektive haben in sich bereits die Tendenz, tradierte Disziplingrenzen zu überschreiten. Ich lehrte die vergangenen Jahre in Kriminologie, Soziologie und Politikwissenschaft, befasste mich mit Rechtstheorie und Begriffsgeschichte und suchte dabei stets den Anschluss an aktuelle Debatten der Sozialphilosophie. An den Arbeiten Michel Foucaults hat mich zudem die Bedeutung von Literatur und bildender Kunst für die spezifischen Konstellationen historischer Gesellschaftsordnungen genau so fasziniert wie die Bedeutung, die wissenschaftlichem Wissen und dessen Wandlungen in diesen Ordnungen zukommt. Insofern fühle ich mich in der abstrakten Idee der „Liberal Arts and Sciences“ zuhause und in ihrer konkreten Ausgestaltung im Hamburger ILAS auf besondere Weise. Hinzukommt, dass der Studiengang des ILAS einen dezidierten Fokus auf die Lehre legt: auf gute Betreuung, innovative didaktische Formate und vor allem auf Kreativität und Freude an der Arbeit mit und am Wissen.
3. Welche Projekte haben Sie für Ihre Zeit am ILAS geplant?
Es sind drei Themen, die ich in meiner Zeit am ILAS weiterverfolgen möchte. Zum einen geht es mir darum, das Konzept der Regression, das zuletzt neue Impulse aus der Politischen Theorie und Sozialphilosophie erhalten hat, für eine kritische Analyse der Gegenwart weiter aufzubereiten. Im Lichte dieses Konzeptes möchte ich, zweitens, das oben erwähnte Phänomen beleuchten: ein Fortschrittsdenken, das gegenwärtig eine neue, faschistische Aufbereitung erfährt. Hierbei handelt es sich um ein äußerst technizistisches Verständnis von Fortschritt und es sind allen voran Visionen und Phantasmen rund um die Möglichkeiten „künstlicher generativer Intelligenz“ und Mensch-Maschine-Interaktionen, die diesen Zukunftsentwurf durchziehen. Folglich bilden die damit verbundenen Technologien den dritten Gegenstandsbereich, dem ich mich zuwenden möchte.

