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Fachbereich Philosophie



Inhalt:
55-122.43

Der Frege-Geach-Punkt (P/T)

Martin Hoffmann
  2st., Mo 10-12, Phil 1072 VMP 6
  Beginn: 02. April 2012
  Module: BA 6, BP 2, MA 1, MEd 3
 

Schon in seiner Begriffsschrift von 1879 formuliert Gottlob Frege die Einsicht, dass der Gehalt eines Gedankens (einer Proposition) unabhängig davon bestimmt ist, ob ein Sprecher diesen Gedanken mit behauptender Kraft ausspricht (ihn also für wahr hält) oder nicht. Peter Geach hat festgestellt, dass eine ganze Familie von Bedeutungstheorien mit dieser Einsicht nicht verträglich ist. Die prominenteste dieser Theorien ist der Expressivismus. Es handelt sich dabei um die Bedeutungstheorie, mit der Nonkognitivisten die Semantik der Moralsprache explizieren. Die Kernthese dieser Theorie besagt, dass man mit moralischen Äußerungen keine (wahrheitswertfähigen) Behauptungen aufstellt, sondern eine Einstellung der moralischen (Miss-)Billigung zum Ausdruck bringt. Mit der Äußerung

(1) „Töten ist moralisch schlecht!“

bringt ein Sprecher demnach zum Ausdruck, dass er Tötungshandlungen moralisch missbilligt. Geach (1960, 1965) hat nun eine Argumentation entwickelt, die die Unplausibilität aller expressivistischen Bedeutungstheorien erweisen soll. Kerngedanke des so genannten Frege-Geach-Punkts ist, dass expressivistische Semantiken in Probleme geraten, sobald man komplexe Äußerungskontexte betrachtet. Dazu ein Beispiel: Mit der Äußerung

(2) „Wenn töten moralisch schlecht ist, sollte Brutus den Caesar nicht töten!“

bringt ein Sprecher keine generelle Missbilligung gegenüber Tötungsakten zum Ausdruck: Wer (2) behauptet, legt sich damit nicht auf (1) fest. Dies aber bringt den Expressivisten in Erklärungsnot: Wenn das Prädikat „moralisch schlecht“ immer eine moralische Missbilligung des Sprechers zum Ausdruck bringt, wie lässt sich dann die Bedeutung von „moralisch schlecht“ in (2) explizieren?

Auf den ersten Blick handelt es sich hier um eine Spitzfindigkeit. Das Seminar hat zum Ziel, die massiven Konsequenzen dieser Beobachtung von Peter Geach zu beleuchten, und die Argumentationsstrategien zu klären, mit denen Expressivisten versuchen, das Problem auszuräumen. In einer der Seminarsitzungen wird PD Dr. Oliver Hallich – der 2008 eine umfassende Theorie der Metaethik vorgelegt hat, die der expressivistischen Tradition verpflichtet ist – uns seinen Lösungsansatz vorstellen.
 


Literatur:

  • Blackburn, Simon (1993). Realism, Quasi, or Queasy? In: Haldane, John & Wright, Crispin (Hg.). Reality, Representation, and Projection (S. 365–383). Oxford – New York: Oxford UP.
  • Geach, Peter T. (1960). Ascriptivism. Philosophical Review 69, 221–225.
  • Geach, Peter T. (1965). Assertion. Philosophical Review 74, 449–465.
  • Gibbard, Allan (1990). Wise choices, Apt Feelings. A theory of normative judgement. Oxford: Clarendon Press.
  • Hallich, Oliver (2008). Die Rationalität der Moral. Eine sprachanalytische Grundlegung der Ethik. Paderborn: mentis.
  • Hale, Bob (2002). Can Arboreal Knotwork Help Blackburn Out of Frege’s Abyss? Philosophy and Phenomenological Research 65 (1), 144–149.
  • Ridge, Michael (2006). Ecumenical Expressivism: Finessing Frege. Ethics 116 (2), 302–336.
  • Schroeder, Mark (2008). What is the Frege-Geach Problem? Philosophy Compass 3 / 4, 703–720.




  Zulassungsprechstunde:

Donnerstag, 23. Februar 2012, 14-16 Uhr
Donnerstag, 1. März 2012, 14-16 Uhr

Bitte vorbereiten:
  • Hoffmann, Martin (2008). Der Frege-Geach-Punkt. In Ders.: Kohärenzbegriffe in der Ethik (S. 212–228). Berlin: de Gruyter.
Eine Kopie des Texts liegt im Handapparat der Bibliothek des Philosophischen Seminars vor.
 
 

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