| 55-112.04 | Individuelle und politische Freiheit (P) |
Thomas Schramme |
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Die meisten Menschen wollen frei sein. Sie wollen für sich selbst entscheiden können und darüber mitbestimmen wollen, wie sie regiert werden. Freiheit ist ein Wert, der sich allgemein auf Individuen oder auf sie in ihrer Rolle als Staatsbürger beziehen kann. Individuelle Freiheit meint demnach in erster Linie Selbstbestimmung in Bezug auf persönliche Angelegenheiten. Es soll ein Bereich bestimmt werden, in dem ein Individuum über sich selbst herrschen kann. Hieraus ergibt sich eine Verbindung mit dem Bereich der politischen Freiheit, denn diese befasst sich u.a. mit der legitimen Grenze und der Reichweite staatlicher Autorität sowie der spezifischen Form des Freiheitsgebrauchs von Mitgliedern eines politischen Gemeinwesens. Geht die legitime gesellschaftliche und staatliche Zwangsausübung nur so weit, wie Individuen diesen Einschränkungen der eigenen Freiheit selbst zustimmen könnten? Soll der Bereich der individuellen Freiheit also so weit wie möglich gefasst sein? In der Vorlesung sollen zunächst die Grundlagen der Rede von Freiheit diskutiert werden, in erster Linie die Annahme, dass wir tatsächlich frei entscheiden können. Ist die Annahme der Willensfreiheit nicht eine Illusion? Wie können wir von der Möglichkeit individueller Freiheit in einer determinierten Welt sprechen? Ein adäquates Verständnis der metaphysischen Möglichkeit individueller Freiheit führt zur Frage, welche gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen gegeben sein müssen, um den Gebrauch der Freiheit wirklich werden zu lassen. Diese Fragestellung wird den Schwerpunkt der Vorlesung bilden und sie kann daher als Einführung in die Grundideen des Liberalismus verstanden werden. Dabei stellt sich auch die Frage, ob es individuelle Freiheit nur dort geben kann, wo sie in den Bereich der politischen Freiheit ausgreift; kurz, ob individuelle Selbstbestimmung nur dort möglich ist, wo Staatsbürger selbst über die Weise bestimmen, wie ihre individuelle Freiheit begrenzt werden soll. Hier verbindet sich die liberale Sichtweise mit Ansätzen, die republikanisch genannt werden.
Literatur: |
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